Jennifer Oellerich
CVJennifer Oellerich
1974 born in Cuxhaven, Germany
Lives and works in Berlin, Germany
2003 - 2008 Universität der Künste, Berlin
2009 Meisterschülerin von Florian Slotawa, Udk Berlin
Solo Exhibitions:
2009
Regaining Dimensions, KWADRAT, Berlin
Für Nachtschwärmer, Galerie Elm 75, Berlin
2005
Hinter Blauen Türen, F40, Berlin
2002
Galerie Kunst und Keramik, Berlin
2001
Malerei, TIK, Berlin
1998
Maon Levzeller, Herzlya, Israel
Group Exhibitions (selection):
2010
Gentle Giants, KWADRAT, Berlin
Ruffled Galaxies, infernoesque, Berlin
Kleine Seestücke, Galerie Alte Wache, Cuxhaven
Zwischen zwei Inverstoren, Potsdamer Str. 81, Berlin
The Best of Dimension# 5, The forgotten bar project, Berlin
Berliner Salon, Europäischer Kunsthof Vicht, Stolberg-Vicht
2009
Studien, Skizzen, Zeichnungen, Galerie Alte Wache, Cuxhaven
Die große Herbstausstellung, KWADRAT, Berlin
Mimese, Infernoesque, Berlin
Temporary I, our 2nd house project, Berlin
2008
Motel Zimmer 501, AVUS Motel, Berlin
2007
L´air de Berlin, Galerie AVU, Prague
Klasse!, UdK, Berlin
2006
Außer Haus, Uferhallen Wedding, Berlin
Zur gleichen Zeit am gleichen Ort, Künstlerhof Zarnitz
2005
Hinter blauen Türen, F40, Berlin
Kunstbombe, Messe für junge Kunst, Herne
2004
ArtOrt, Galerie Weißenseer Freitag, Berlin
2002
Japan Art Project, TIK, Berlin
2000
Malerei, Kommode unter den Linden, Berlin
Schoolarships
2009
Atelierstipendium, Kunsthaus Fehmarn
2006
Arbeitsaufenthalt, Künstlerhof Zarnitz
Bibliography
2010
Secondhome projects-devoted to the arts. Anthony Downs, Jörg Dreyer, page 35, 2010
2009
Christiane Meixner: Jennifer Oellerich - Ihre Bilder lässt sie buchstäblich im Regen stehen. In: Watchlist Monopol, Berlin, Dezember, 2009.
Meike Jansen: "Babel ist eben doch ganz nah" In:TAZ , 02.09.2009
Wie Öl und Wasser
Energetische Wechselwirkungen im Werk von Jennifer Oellerich
Einer Logik des Index1 folgend, lässt Jennifer Oellerich bis zu einem gewissen Punkt die plastische Formwerdung ihrer Arbeiten durch natürliche Prozesse und deren energetische Wechselwirkungen bestimmen. Hierfür verwendet sie seit der Arbeit Spreeboje für Nachtschwärmer (2008) das Rohöldestillat Bitumen. Oellerich bestreicht damit unterschiedliche Trägermaterialien und erzeugt auf diese Weise formbare, sensible Oberflächen, die sie dem Einwirken von fallendem Regen aussetzt.
In das Bitumen prägen sich die charakteristischen Spuren von Tropfen und Blasen des unterschiedlich intensiven Regens mechanisch ein, die ephemere Energie des auftreffenden Wassers kristallisiert in der sich verhärtenden Oberfläche zu fester Form. Oellerich belässt ihre Aufzeichnungen elementarer Prozesse nicht im natürlichen Umfeld ihres Entstehens, sondern deplatziert sie in den White Cube, wo sie durch ihre unter schiedlichen Installationsformen Felder elementarer Konflikte zwischen dem Umraum und den Betrachtern/innen eröffnen. Dies vollzieht sie schlicht dadurch, dass sie sie von einer horizontalen, aufzeichnenden Ausrichtung, in eine senkrechte, konfrontierende Position zwischen Wand und Boden bringt und z. T. auch Raum schaffend vor einander schichtet. Der kausale, schwerkraftbedingte Zusammenhang zwischen fallendem Regen und am Boden aufgenommener Spur wird auf diese Weise unterbrochen und die Objekte zugunsten ihrer ikonischen Qualitäten von ihrer lediglich indexikalischen Funktion befreit.
So nimmt man zum einen die abstrakten, zwischen Mikro-und Makrokosmos fluktuierenden Oberflächenstrukturen rein visuell, gewissermaßen bildlich wahr, zum anderen muss man sich gegenüber den Objekten
aufgrund ihrer räumlichen Präsenz und ihrer spiegelnden Oberflächen körperlich in Beziehung setzen.Metaphorisch gesprochen wird durch diese Polarisierung also die energetische Spannung
des polaren Verhältnisses von Öl und Wasser auf den gesamten leiblichen Wahrnehmungsakt der Betrachter/innen erweitert und damit als Teil des bildhauerischen Konzeptes von Oellerich offenbar.
Dieses Fokussieren des Wechselwirkens von Betrachter/innen und Objekt wird von Oellerich in manchen Installationsformen ihrer Bitumen-Objekte durch die Kombination mit Hohlspiegeln, welche sie durch Versilberung von Parabolantennen hergestellt hat, in einen aktuellen, gesellschaftlichen Kontext transferiert.
So wurden diese Geräte ursprünglich zur Bündelung elektromagnetischer Strahlung verwendet, von Oellerich aber hinsichtlich ihrer phänomenalen Eigenschaften so modifiziert, dass sie nun Wellen des auftreffenden Lichtes bündeln.
Anders als das Bitumen nehmen sie so zwar nicht die Form der auf sie treffenden Energie an, stattdessen sammeln sie sie aber optisch in ihren Zentren. So projizieren sich auf die silbernen Konkavspiegel, verzerrte und kopfstehende Bilder der gegenwärtigen Situation, des Innenraums und der Interaktion von Betrachter/innen und Objekten. Im Brennpunkt dieser nach innen
gewölbten Hohlformen schmilzt man mit den im White Cube entwurzelten Bitumen-Objekten optisch zusammen und wirkt dabei selber eigenartig haltlos und seiner natürlichen, räumlichen Verortung beraubt. So pointieren die Spiegel das energetische Wechselspiel zwischen den Betrachter/innen und den Bitumen-Objekten noch einmal bildlich und ergänzen dies durch das paradoxe Gefühl, bei dieser Interaktion beobachtet zu werden. Denn nicht umsonst rufen die Konkavspiegel die Erinnerung an das Blickfeld erweiternde Konvexspiegel wach, wie sie zur Überwachung von Räumen, zur Kontrolle von Situationen, eingesetzt werden. Dabei sind es die Betrachter/innen selber, die imaginär diese Kontrolle ausüben und dadurch die Frage aufwerfen, inwieweit man in einem System offener Wechselwirkungen selber regulierend wirkt bzw. reguliert wird.
In diesem Formulieren neuer Möglichkeiten des bildhauerischen Materialgebrauchs sind Oellerichs jüngste Arbeiten zwar fest in der Tradition europäischer und US-amerikanischer Plastik verwurzelt, beziehen in ihrer Anbindung an ein kollektives Bildgedächtnis und in ihrer vielschichtigen Thematisierung von Kontrolle, Reglementierung und Überwachung jedoch gleichzeitig eine klare Position im aktuellen Kontext der Kunst des beginnenden 21. Jahrhunderts.
Babel ist eben doch ganz nah
Auch wenn Bitumen bereits seit 6.700 vor Christus genutzt wird, kennt man es vor allem über die müden Füße, nach zu langem Asphalttreten. Denn Teer ist schon lange nicht mehr auf unseren Straßen. Jennifer Oellerich schafft mit Holzplatten, die sie mit Öl bestreicht und kontrolliert in den Regen stellt, wunderbare Bitumenoberflächen. Denn nichts anderes ist Bitumen letztendlich: Öl und Wasser, die wohl beiden wichtigsten Energieträger der Menschheit. Lästige Energiefresser, symbolisiert durch Ordner aus Ämtern, hat sie dagegen zu einen Turm gestapelt. Ein fragiles Gebilde, das jeden Moment zu kippen droht.
Meike Jansen
english
Jennifer Oellerich is focussing on questioning our perception, our values and our awarenes for objects and matter in general. She ist constantly searching for intereasting material, especially those which are not too known in art. What is more, she tries to combine found, industrial objects witch her own creations and interventions within or around those ?objects trouvés?.
Bitumen, a very old material which is left after the destillation of water from raffined oil, is put outdoors by the artist while it is raining. Structures of surprising beauty and depth are created during this ?game? dealing with the two basic materials water and oi, and of course the immaterial factor ?time?l. The ephemere and the fragile drops are being caught and fixed on top of monumental wooden grounds and by this transformed into new values and dimensions. After this short period of creation there follows a long work of taking out the water which is left in thousands of little bubbles on the surface, and getting the work dry. The artist is changing between controle and coincident by leaving the wood outside for certain time-periods and by putting it outside several more times until she reaches the point of satisfaction in her work. Through this a kind of collection or archive is being created which shows various qualities of rain interacting with the bitumen and leaving structures that remind of a midnight sky from different perspectives.
The artist is also questioning simple everyday-phänomenons by mirroring the surface of old satellite-bowls she collected all over berlin and germany. The surfaces are gaining new life and the ?object trouvé? is suddenly showing an up-side-down-picture of our surrounding in its mirror- surface which is poetically questioning our common relations. Something similar happens when she transforms huge amounts of found folders from an archive into a fragile tower which could collapse every minute and destroy a seemingly order and stability.
2 Regentage
Steel, plexiglass, bitumen, rain
260 x 42 x 42 cm
Gewitter, 14.08.2010, 3.55 Uhr
Bitumen, rain, plexiglass, wood, varnish
80 x 73 x 63 cm
2010
Zeitweise leichter Regen
Inkjet-print on paper, rain
109 x 97 cm
2010
10 Minuten Dauerregen
Bitumen, varnish, rain, plexiglass, cold cathode
40 x 40 x 40 cm
2010
Blackbox
Bitumen, rain
60 cm x 60 cm x 25 cm
2010
"Regaining Dimensions"
Instalation View
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2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
Instalation View
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2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
Instalation View
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2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
Alte Aktenordner frei stehend
300 cm x 60-110 cm
2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
Alte Aktenordner aus Rathaus Charlottenburg
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2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
Alte Aktenordner frei stehend
300 cm x 60-110 cm
2009 (Foto: Matthias Kolb)
"Regaining Dimensions"
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2009
"Regaining Dimensions"
Bitumen, Holz, Regen
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2009 (Foto: Matthias Kolb)
monopol
watch-list dezember 2009
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Elemental Archive
Wood, bitumen, rain
Dimensions variable x
2009
Caves
Satallite- dishes with mirrored surfaces
Dimensions variable x
2009
